Habe kürzlich mal wieder das Gedicht “Der Panther” von Rilke gelesen.
Mir fiel plötzlich auf, daß man das Gedicht als wunderbaren Ausgangspunkt nehmen kann, um über die augenblickliche Lage in Deutschland nachzudenken.
Man bedauert den armen Panther hinter seinen Gittern, die ihn so sehr einpferchen, daß er eigentlich schon nicht mehr lebt. Hinter den Stäben ist für ihn keine Welt mehr.
Hätte er die Wahl, er würde zweifelsohne liebend gerne den Käfig mit dem Dschungel tauschen - trotz aller Gefahren und Risiken, die dort auf ihn, verglichen mit dem Zoo, warten.
Beim typischen Deutschen verhält es sich genau andersherum: das, man möchte bereits vermuten genetisch bedingte, Sicherheitsstreben des Deutschen veranlaßt ihn, geradezu auf Einlaß in eine beengte, regelemtierte aber dadurch auch sichere Welt zu bestehen. Anders kann ich mir nicht mehr erklären, mit welcher Emotionalität und mit welchen Argumenten versucht wird, den “Sozialstaat” zu verteidigen, unsere große Errungenschaft der 70iger Jahre.
Lieber einige Quadratmeter hinter sicheren Stäben, feste Fütterungszeiten und die Gewißheit, daß sich der morgige Tag in keiner Weise vom vorherigen unterscheiden wird als sich dem Risiko einer unüberschaubaren, unsteten und vielen Risiken behafteten Welt auszusetzen. Für sein bißchen eingebildete Sicherheit gibt das gute Deutsche Wahlvieh gerne Initiative und Selbstverantwortung an der Käfigtür ab - wozu soll das auch dienen hinter Stäbe, die die Welt bedeuten ?