Archive for the 'Familie' Category

Letzte Ehre

Wednesday, June 8th, 2005

Eine Erkenntnis, die mir der Tod meines Vaters gebracht hat: es hat sich mir erstmalig der Sinn dessen erschlossen, was ich bisher nur als leere Floskel betrachtet habe:
“Jemandem die letzte Ehre erweisen.”
Es war gut zu sehen, wie viele Menschen sich die Zeit genommen und keine Mühen gescheut haben um, teilweise von weit weg und an einem mehr als heißen Brückentag, der Beerdigung meines Vaters beizuwohnen.
Beweggründe für ihre Anwesenheit und die Art bzw. der Hintergrund ihrer Beziehung zu meinem Vater waren vielfältig: Conabiturienten, Komilitonen aus der Studienzeit, ehemalige Arbeitskollegen, Gemeindemitglieder usw. - von einigen der Anwesenden kannten wir nur wenig, manchmal nur den Namen.
Und trotzdem hatten sie all die besagten Unbillen nicht gescheut, um unwiderruflich Abschied zu nehmen - angesichts der Fülle von Menschen und Motivationen habe ich dies als eine echte Ehre für meinen Vater empfunden. All diese Menschen habe also meinem Vater, jeder auf seine Weise und jeder aus anderen Motiven, eine letzte Ehre erwiesen, in dem sie ihm einen Teil ihrer Gedanken und ihrer Zeit geschenkt haben.
Für diese Ehre bin ich allen dankbar, die gekommen sind.

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Danke Dad !

Wednesday, June 8th, 2005

….waren mein letzen Gedanken, als ich gestern am Grab entgültig Abschied von meinem verstorbenen Vater nehmen mußte.
Die letzen Monate haben einiges im Kopf verändert: Anfang des Jahres riß uns die Nachricht vom Bauchspeicheldrüsenkrebs meines Vaters plötzlich aus unseren Luxus-Problemen. Anstelle von Urlaubsplanung, Computer-Upgrades u.ä. wurden wir mit einmal mit der nackten Brutalität unserer Endlichkeit konfrontiert.
Noch nicht mal 70 Jahre ist eigentlich noch kein Alter würde man heute sagen. Wieso gerade er ? Tausend Gedanken und wenige schlüssige Antworten.
Für den Menschen, der mein Vater war, ging es zunächst darum, die unwiderbringlichen letzten Monate so gut wie möglich zu nutzen, das Sterben so menschlich wie möglich zu gestalten. Ich glaube wir dürfen behaupten, daß uns dies gelungen ist. Noch eine Reise in die geliebte Stadt Rom war möglich - und danach zwar noch Chemo-Therapie, aber vor allem ein menschenwürdiges Sterben zuhause im vertrauten Kreise der Familie.
Ich hätte nie gedacht, wie sehr man sich plötzlich mit einer Riesenfaust zurückgeworfen fühlen kann in die Steinzeit - sehr viel anders können sich angesichts der Unerbittlichkeit des Todes unsere Vorfahren auch nicht gefühlt haben, als sie am Höhlenfeuer verständnislos oder, besser, um Verständnis ringend, dem Sterben eines geliebten Familien-oder Stammesmitgliedes folgen mußten.
Moderne Medizin mag die Früherkennung verbessern und Schmerzen lindern - am Ergebnis bleibt es bei der Erkenntnis nach Goethes Faust “…um es am Ende gehen zu lassen wie’s Gott gefällt.”
Tja, Gott und Religion sind unweigerlich die Dinge, mit denen man sich gedanklich wieder zu beschäftigen beginnt - und alleine dies Tun bewirkt wohl das, was auch schon die eben zitierten Vorväter zur Beschäftigung mit diesem Thema getrieben hat: es gibt Halt und Kraft.
Für meinen Vater sind diese Überlegungen jetzt unerheblich - die entgültige Wahrheit, so es sie gibt, hat sich ihm bereits offenbart.
Wir können nur trauern und seiner gedenken: gedenken für alles , was er uns auf den Weg mitgegeben hat: Wissen, Überzeugungen, Einstellungen und ein lebendiges Beispiel dafür, wie man sie standhaft im Leben umsetzen kann. Dies hat Richtung und Kraft fürs Leben gegeben - und dafür danke ich meinem Dad !

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