Virtuelle Welt vs. reale Welt
Wednesday, January 10th, 2007
Die Welten mischen sich immer mehr - gar nicht mehr so leicht, angeblich Fiktives von angeblich Realem zu unterscheiden. Das wurde mir heute sehr sinnfällig vor Augen geführt: einmal über eine kleine Anektote, einmal durch eigenes Erleben.
Zunächst die Anektote: heute bei einem Termin bei einer mobilen Marketing-Firma war wieder die Reihe an der obligatorischen tour d’horizon: was heute schon tatsächlich möglich wäre - aber wie lange es tatsächlich noch brauchen wird, bevor es von jederman verstanden und angewendet würde.
Aber einige Dinge, die den technik-freakishen early-adoptern sehr kompliziert vorkommen, scheinen “dem gemeinen Volk” deutlich weniger Ehrfurcht abzuringen: mein Gesprächspartner erzählte mir, wie ein ganzes Team von Leuten mit Begeisterung vor einiger Zeit das erste Handy mit Bewegungssensor von Samsung unter die Lupe nahm.
Die Beispiel-Anwendung für den Bewegungssensor ist ein Doppelwürfel auf dem Display, den man durch Schüteln des Gerätes “werfen” kann - es werden nach dem Schütteln (und einer entsprechenden Animation) zufällig gewählte Augenzahlen gezeigt.
Alle Freaks standen ganz fasziniert um das Gerät - aber der einzige Kommentar der Team-Sekretärin lautete: “Wieso, ist doch normal - ihr habt es doch geschüttelt !”
Soweit die Anektote. Nun zu meinem Erleben: auf dem Weg zurück zum Flughafen mußte ich durch die Berliner Innenstadt. Gedankenverloren ging ich über eine Ampel. Als ich aufblickte, sah ich direkt ins Gesicht eines zunächst x-beliebigen Passanten, der gerade zufällig in der Welle von der Straßenseite gegenüber mitschwam. Mein Gesichtsgedächtnis ist ziemlich gut - und ich erkannte sofort ein mir bekanntes Gesicht: ein Schauspieler aus der Serie “Gute Zeiten, Schlechte Zeiten” (…bitte nicht nach Namen und Rolle fragen: ich kenne das Gesicht, mehr nicht
).
Mein erster, völlig ungefilterter Gedanke: “Ist doch normal - das spielt doch in Berlin” - als ob die Fiktion der Serie irgendeinen zwingenden Einfluß auf das tatsächliche Erscheinungsbild des Lebens und der Menschen in Berlin hätte.
Schluß für mich aus dem Ganzen: ob wir wollen oder nicht - unsere Wahrnehmung der Realität ändert sich eigentlich nicht, der Mensch ändert nur die Realität, in der er lebt (…oder zu leben scheint)….. und diese Realität kann in immer stärkerem Außmaße Faktoren beeinhalten, die wir immer noch, fälschlich, wie es mir immer mehr scheint, als “virtuel” und damit unwirklich bzw. irreal qualifizieren.
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